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Best Practice

10. August 2026

Big Bag to Big Bag Recycling

Joachim Puhm erklaert Big Bag Schlaufe und Material - Puhm Plastics & Recycling

Kreislaufwirtschaft funktioniert besonders gut, wenn aus einem gebrauchten Produkt wieder ein gleichwertiges neues Produkt entsteht. Genau dieses Ziel verfolgen wir bei Big-Bags aus Polypropylen. Ein Best-Practice Beispiel:

Als wir um 2019 von ersten Entwicklungsprojekten für Big-Bags aus Recyclingmaterial hörten, waren wir sofort interessiert. Wir verfügten bereits über gebrauchte und beschädigte PP-Big-Bags und kannten gleichzeitig die Anforderungen an das fertige Produkt. Unser Ziel war klar: Aus gebrauchten Big-Bags sollen wieder neue Big-Bags entstehen.

Warum Big Bag Recycling anspruchsvoll ist

Ein Big-Bag ist eine sicherheitsrelevante Industrieverpackung. Deshalb muss auch das eingesetzte Recyclingmaterial zuverlässig verarbeitet werden können. Entscheidend sind vor allem:

  • das frühere Füllgut,
  • eine möglichst vollständige Restentleerung,
  • geringe Verschmutzung,
  • ein gleichmäßiger Materialstrom,
  • eingesetzte Farben, Schlaufen und Bedruckungen.

Je sortenreiner und sauberer die Big-Bags gesammelt werden, desto besser ist die Qualität des späteren Rezyklats.

So entsteht rPP aus gebrauchten Big-Bags

Die gebrauchten Big-Bags werden gesammelt und zu Ballen gepresst. Ein Ballen wiegt etwa 500 Kilogramm. In der Recyclinganlage wird das Material anschließend geschnitten, gewaschen und zu rPP verarbeitet. Das „r“ vor PP steht für recyceltes Polypropylen. PP ohne „r“ bezeichnet in diesem Zusammenhang Neuware beziehungsweise Virgin Material.

Aus diesem rPP entstehen zunächst Kunststoffbändchen, die zu neuem Gewebe verwoben werden. Danach wird das Gewebe zugeschnitten, zu neuen Big Bags vernäht, kontrolliert und verpackt.

Die Abbildungen zeigen geschnittenes und gewaschenes PP Gewebe, Rezyklat und recyceltes graues rPP Gewebe:

Unsere Entwicklung seit 2021

2021 ließen wir erste Big-Bags mit Recyclingmaterial produzieren. Technisch war das ein wichtiger Schritt, wirtschaftlich blieb der Markt jedoch zurückhaltend. Viele Kunden entschieden sich weiterhin für günstigere Neuware. Wir blieben trotzdem dran. Dabei zeigten sich drei zentrale Entwicklungsfelder:

  1. Das Rezyklat sollte aus unserem eigenen Big-Bag-Materialstrom stammen.
  2. Das Material sollte heller und damit vielseitiger einsetzbar werden.
  3. Der Rezyklatanteil sollte von rund 30 auf zunächst 40 Prozent steigen.

Auch Design for Recycling spielt dabei eine wichtige Rolle. Helle Schlaufen, weniger Druck und möglichst einheitliche Materialien können dazu beitragen, das spätere Rezyklat heller zu halten.

Der nächste Meilenstein – Anfang 2025 starteten wir gemeinsam mit Erema einen neuen Entwicklungsanlauf. Daraus entstand ein nahezu weißer Big-Bag mit 40 Prozent rPP, den wir im Oktober 2025 auf der Kunststoffmesse K in Düsseldorf präsentierten.

Inzwischen liegt erstmals Rezyklat aus unserem eigenen Big-Bag-Materialstrom vor. Im nächsten Schritt soll daraus neues Gewebe und anschließend ein Big-Bag mit 40 Prozent Recyclingmaterial entstehen. Damit kommen wir unserem Closed-Loop-Ziel entscheidend näher: Aus unseren gesammelten gebrauchten Big-Bags werden wieder neue.

Warum dieses Projekt Best Practice ist

Das Projekt zeigt, dass ein geschlossener Kreislauf mehr braucht als eine Recyclinganlage. Notwendig sind:

  • saubere Materialströme,
  • geeignete Technik,
  • recyclinggerechtes Produktdesign,
  • Erfahrung mit Rezyklaten,
  • verlässliche Partner,
  • und ein konkreter Absatzmarkt.

Portrait von Joachim PuhmUnsere Stärke liegt darin, beide Seiten zu verbinden: den gebrauchten Big-Bag als Sekundärrohstoff und den neuen Big-Bag als Produkt.

Unser Big-Bag-Projekt zeigt, wie aus einem Abfallstrom Schritt für Schritt ein neuer Produktkreislauf entsteht. Wir haben Testmaterial bereitgestellt, erste Recyclingprodukte umgesetzt und aus technischen wie wirtschaftlichen Hürden gelernt. Heute stehen wir kurz davor, rPP aus unserem eigenen Materialstrom wieder in neue Big-Bags zurückzuführen.

3 Fragen zum Big Bag Recycling

Farben, Bedruckungen und unterschiedlich gefärbte Bestandteile vermischen sich bei der Aufbereitung. Helle Schlaufen, weniger großflächiger Druck und möglichst einheitliche Materialien können dazu beitragen, das spätere Rezyklat heller zu halten.

rPP steht für recyceltes Polypropylen. Es wird aus bereits verwendetem PP hergestellt und kann einen Teil des Polypropylens aus Neuware im neuen Big-Bag ersetzen.

Im aktuellen Entwicklungsprojekt von Puhm ist ein Anteil von 40 Prozent rPP geplant. Langfristig prüfen wir, ob bei gesicherter Qualität, Verarbeitung und Produktsicherheit noch höhere Anteile möglich sind. >> Überblick zu unseren aktuellen Recycling-Produkten.

In der Praxis bezeichnen Big-Bag und FIBC meist dasselbe Produkt.

  • FIBC ist die fachliche Abkürzung für Flexible Intermediate Bulk Container und damit die technische Bezeichnung für einen flexiblen Schüttgutbehälter.
  • „Big-Bag“ ist der im allgemeinen Sprachgebrauch verbreitete Begriff.

FIBCs beziehungsweise Big-Bags werden vor allem für die Lagerung und den Transport größerer Mengen von Schüttgütern eingesetzt. Je nach Füllgut und Anwendung unterscheiden sie sich unter anderem in Tragfähigkeit, Gewebe, Beschichtung, Ein- und Ausläufen sowie Sicherheitsanforderungen. Die internationale Norm ISO 21898 verwendet dafür die Bezeichnung FIBC.