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Plastics & Recycling

9. Juni 2026

5 Erkenntnisse aus dem Nachhaltigkeitsbrunch 2026 von Gabi Puhm

Gabi Puhm bei der Podiumsdiskussion - Nachhaltigkeitsbrunch 2026 in Linz

Nachhaltigkeit, die sich rechnet? In diesem Beitrag teile ich meine wichtigsten Erkenntnisse vom 8. Nachhaltigkeitsbrunch, wo ich am 21. April 2026 an einer spannenden Podiumsdiskussion teilnehmen durfte.

Organisiert wurde die Veranstaltung von Silvia Payer-Langthaler gemeinsam mit Business Upper Austria und dem Cleantech-Cluster. Wie schon in den vergangenen Jahren trafen sich Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Industrie und Nachhaltigkeit, um aktuelle Herausforderungen und Chancen rund um nachhaltiges Wirtschaften zu diskutieren.

Für mich war es bereits die vierte Teilnahme am Nachhaltigkeitsbrunch. Besonders schätze ich dabei den offenen Austausch mit Menschen aus unterschiedlichsten Branchen. Obwohl die Ausgangssituationen oft sehr verschieden sind, verbindet uns alle ein gemeinsames Ziel: nachhaltiger zu wirtschaften und zukunftsfähige Lösungen zu entwickeln.

Im Rahmen der Podiumsdiskussion wurden zahlreiche spannende Fragen diskutiert. Fünf Gedanken und Erkenntnisse sind mir dabei besonders wichtig, mit Ihnen zu teilen:

1. Können wir es uns überhaupt noch leisten, Nachhaltigkeit nicht umzusetzen?

Eine der zentralen Diskussionsfragen lautete, ob sich Nachhaltigkeit rechnen muss. Meine Antwort darauf lautet:

Die entscheidende Frage ist nicht mehr, ob sich Nachhaltigkeit rechnet. Die entscheidende Frage ist, ob wir es uns leisten können, sie nicht umzusetzen.

Die vergangenen Jahre haben uns deutlich vor Augen geführt, wie verletzlich globale Lieferketten geworden sind. Geopolitische Krisen, Rohstoffengpässe oder einzelne Ereignisse wie die Blockade des Suezkanals haben gezeigt, wie schnell ganze Wirtschaftszweige unter Druck geraten können.

Gleichzeitig verfügen wir bereits über wertvolle Rohstoffe – und zwar direkt vor unserer Haustür. Viele davon landen noch immer im Abfall. Wenn wir beginnen, Kunststoffabfälle als Rohstoffquelle zu betrachten, können wir unsere Abhängigkeit von internationalen Märkten reduzieren, regionale Wertschöpfung stärken und Rohstoffe langfristig im Kreislauf halten.

Österreich und Europa verfügen über das notwendige Know-how, innovative Recyclingtechnologien und hervorragende Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Was wir jetzt brauchen, ist der Mut, Kreislaufwirtschaft konsequent umzusetzen und die Erkenntnis, dass uns die lineare Wirtschaft langfristig nicht weiterbringen wird.

2. Unsere Nachhaltigkeitsreise begann nicht mit Nachhaltigkeit

Wenn ich heute über Kreislaufwirtschaft spreche, gehen viele Menschen davon aus, dass wir von Anfang an eine klare Nachhaltigkeitsvision hatten. Die Wahrheit ist etwas pragmatischer. Als wir unser Unternehmen aufgebaut haben, standen zunächst wirtschaftliche Überlegungen im Vordergrund. Damals waren wir vor allem im Handel mit Sekundärrohstoffen tätig und dadurch stark von internationalen Rohstoffpreisen abhängig.

Die Wirtschaftskrise 2009 hat uns gezeigt, wie riskant diese Abhängigkeit sein kann. Deshalb haben wir begonnen, einen anderen Weg zu gehen. Statt Kunststoffabfälle einfach weiterzuverkaufen, ließen wir daraus Rezyklate herstellen. Im nächsten Schritt entstanden daraus neue Produkte. Der entscheidende Gedanke kam danach:

Warum sollten jene Unternehmen, bei denen die Kunststoffabfälle entstehen, die daraus produzierten Recyclingprodukte nicht wieder einsetzen?

So entstanden unsere ersten geschlossenen Kunststoffkreisläufe. Heute begleiten wir Unternehmen dabei, Kunststoffkreisläufe für Verpackungen, Sportartikel, Schuhe, Produktionsabfälle und viele weitere Anwendungen aufzubauen. Rückblickend kann ich sagen: Was einst aus wirtschaftlicher Notwendigkeit entstanden ist, wurde zu einem gelebten Beispiel für Kreislaufwirtschaft.

3. Die Kreislaufwirtschaft braucht jetzt vor allem eines: Umsetzung

In Diskussionen über Nachhaltigkeit wird häufig über Ziele, Strategien und Visionen gesprochen. Das ist wichtig, aber mindestens genauso wichtig ist die Umsetzung. Die technologischen Möglichkeiten sind vorhanden. Österreich verfügt über innovative Recyclingunternehmen, hervorragende Maschinenbauer und viel Know-how entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Deshalb bin ich überzeugt:

Wir müssen nicht mehr darauf warten, dass die Lösungen entwickelt werden. Viele Lösungen existieren bereits. Jetzt geht es darum, sie in die Praxis zu bringen.

Unternehmen, die heute beginnen, Kreislaufwirtschaft aktiv umzusetzen, verschaffen sich einen wichtigen Vorsprung für die kommenden Jahre.

4. Die regulatorischen Rahmenbedingungen verändern die Spielregeln

Auch die gesetzlichen Anforderungen entwickeln sich derzeit mit hoher Geschwindigkeit weiter. Mit der Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR), neuen Anforderungen an Recyclingfähigkeit, steigenden Recyclingquoten und umfangreicheren Dokumentationspflichten wird die Kreislaufwirtschaft zunehmend Teil des wirtschaftlichen Alltags vieler Unternehmen.

Besonders spannend finde ich Entwicklungen wie zB.:

  • die Ökomodulation von Verpackungen,
  • den Digitalen Produktpass,
  • mehr Transparenz entlang der Lieferkette,
  • sowie digitale Systeme zur Nachverfolgung von Stoffströmen.

Diese Entwicklungen schaffen nicht nur neue Verpflichtungen, sondern auch neue Chancen. Unternehmen erhalten mehr Transparenz über ihre Materialien, Prozesse und Lieferketten und können dadurch nachhaltige Entscheidungen besser treffen. Wir alle lernen derzeit enorm viel dazu. Und genau das macht diese Phase so spannend.

5. Mein Rat an Unternehmen: Beginnen Sie

Zum Abschluss der Diskussion wurden wir gefragt, welchen Rat wir Unternehmen aktuell mitgeben würden. Meine Antwort war eindeutig:

Beginnen Sie.

Nicht erst nächstes Jahr. Nicht erst dann, wenn neue Vorschriften in Kraft treten. Unsere Erfahrung zeigt, dass die Umsetzung von Kreislaufwirtschaft Zeit braucht. Prozesse müssen analysiert, Stoffströme verstanden und passende Lösungen entwickelt werden. Wer heute die ersten Schritte setzt, verschafft sich morgen einen entscheidenden Vorteil. Perfekte Lösungen braucht es zu Beginn nicht. Wichtig ist, anzufangen.

Wo stehen wir in fünf Jahren?

Dies Frage durfte ich zum Abschluss der Podiumsdiskussion beantworten:

Wenn ich einen Blick in die Zukunft wage, sehe ich deutlich mehr Kunststoffe, die im Kreislauf geführt werden, weniger Virgin Material dafür deutlich mehr hochwertige Rezyklate. Ich sehe Unternehmen, die ihre Rohstoffe bewusster einsetzen und ihre Wertstoffe nicht mehr als Abfall betrachten.

 

Portrait von Gabi Puhm„Und ich sehe eine starke europäische Wirtschaft, die vorhandene Ressourcen intelligent nutzt und dadurch unabhängiger von globalen Rohstoffmärkten wird. Die Kreislaufwirtschaft ist für mich keine Zukunftsvision mehr. Sie findet bereits statt. Jetzt liegt es an uns allen, sie konsequent weiterzuentwickeln“, fasst Gabi Puhm zusammen, Geschäftsführerin der Puhm Green GmbH.

3 Fragen zur Wirtschaftlichkeit von Nachhaltigkeitsmaßnahmen

Viele Unternehmen warten zu lange auf die perfekte Strategie oder auf endgültige gesetzliche Vorgaben. Unsere Erfahrung bei Puhm Plastics & Recycling zeigt jedoch, dass die Umsetzung von Kreislaufwirtschaft Zeit benötigt. Wer früh beginnt, sammelt wertvolle Erfahrungen und verschafft sich einen Vorsprung gegenüber Mitbewerbern.

Der erste Schritt ist eine Analyse der vorhandenen Stoffströme und Kunststoffabfälle. Oft zeigen sich dabei bereits Potenziale zur besseren Trennung, Verwertung oder Wiederverwendung von Materialien. Wichtig ist, nicht auf die perfekte Lösung zu warten, sondern mit ersten Maßnahmen zu beginnen und diese schrittweise weiterzuentwickeln.

Das hängt von den anfallenden Materialien, Mengen und bestehenden Prozessen ab. In vielen Fällen können bereits durch eine optimierte Sammlung, Sortierung und Verwertung von Kunststoffabfällen Kosten eingespart werden. Besonders interessant wird es, wenn Wertstoffe wieder als Rohstoff oder neues Produkt in den eigenen Betrieb zurückgeführt werden können.

Bildcredit für diesen Beitrag: © Erwin Pils CTC (Cleantech Cluster)

Weiterführende Informationen
Der Nachhaltigkeitsbrunch 2026 wurde von Silvia Payer-Langthaler, Agentur payer und partner organisiert. Die offizielle Nachberichterstattung zum 8. Nachhaltigkeitsbrunch mit weiteren Eindrücken und Stimmen der Teilnehmer finden Sie beim Cleantech-Cluster und Business Upper Austria.